Was kostet es eigentlich, einen Podcast zu produzieren?

Keine Angst: Für die Podcast-Produktion braucht man keine drei Notebooks. Bier ist aber schon hilfreich.

Schwierige Frage, einfache Antwort: Das kommt darauf an.

Vielleicht ist auch einfach die Frage schlecht gestellt. Versuchen wir es also noch einmal: Was kostet es eigentlich, Ach? Das Triumvirat für historisch inspirierte Humorvermittlung zu produzieren?

Diese Frage lässt sich schon leichter beantworten: Derzeit liegen wir bei knapp 750 Euro Produktionskosten. Wir schlüsseln euch das zum besseren Verständnis einfach mal auf:

 

Voraussetzungen 

Falls ihr hier zufällig über Google reingestolpert seit und noch keine Folge Ach? gehört habt, ist das zwar sehr schade (für euch), dann an der Stelle aber vielleicht wichtig zu erfahren, dass wir für die Aufnahme stets zu dritt an einem Tisch sitzen. Das heißt: keine Aufnahmen über Skype, kein Umherschicken getrennt aufgenommener Audiospuren, dafür aber die Notwendigkeit einer Mehrspuraufnahme. Dass wir den Aufnahmeabend gerne mit einer Pizza einläuten, soll für die folgende Rechnung mal außer acht gelassen werden.

 

Einmalkosten

1. Audio-Hardware

Unsere ersten paar Episoden haben wir mit einem geliehenen Audio-Interface von Presonus aufgenommen. Mittlerweile setzen wir ein Behringer UMC404HD ein. Ja, das ist ein USB-Interface und damit tendenziell böse (weil latenzbehaftet). Da wir aktuell aber nicht live abmischen, ist das fürs Erste verschmerzbar. Bei einem Preis von 111 Euro erst recht. Mittelfristig muss dann aber irgendwann vermutlich ein Zoom H6 (Ref-Link, ca. 430 Euro) her.

Wir verwenden außerdem Headsets für unsere Aufnahmen – inspiriert von Sendegate, Ralf Stockmann und den PodcastpatInnen fiel hier die Wahl recht schnell auf das Superlux HMC660. Das kostet keine 50 Euro (und da sind die Luxus-Ohrschmeichel-Polster schon mit eingerechnet) und lässt sich mit ein paar Widerständen so umbauen, dass es auch mit 48 Volt Phantomspannung ganz ordentlich klingt.

Gut. Das Headset.

 

Dazu kommt noch ein Behringer-Kopfhörerverstärker (oder ist es nicht vielleicht doch eher ein Audio-Splitter?) mit getrennt regelbarer Lautstärke, den wir zum Überwachen unseres Gestammels verwenden. Kostenpunkt: 23 Euro.

Der Vollständigkeit halber: Das zum Aufnehmen verwendete 2012er-MacBook Pro war bereits vorhanden.

Das macht in Sachen Audio-Hardware unterm Strich: 
111 Euro (Audio-Interface)
50 Euro (Headset)
50 Euro (Headset)
50 Euro (Headset)
23 Euro (Audio-Splitter)
=================
284 Euro

 

2. Software

„Wenn schon, dann machen wir es richtig“ war von Anfang an unser Credo … naja, vornehmen kann man sich ja bekanntlich viel. Zumindest in Sachen Software aber sind wir ziemlich noch am „State of the Podcast Art“. Statt GarageBand oder Audacity (was beides völlig legitime Wege sind, um aus dem Mund gefallenes Audio im Rechner zu konservieren) kommen bei uns Reaper beziehungsweise Ultraschall zum Einsatz. Für die zuerst genannte DAW-Software werden 58 Euro fällig, das andere Ding ist Open Source (großen Dank an Ralf Stockmann und das Team!) – und beides bietet ungefähr trölf Zillionen Funktionen, die wir im Leben nicht nutzen (oder auch nur annähernd verstehen) werden. Dafür aber kommen wir uns ziemlich cool vor, zumindest softwaremäßig bei den großen Jungs mitzuspielen.

Damit Philipps alte WiiMotes als Räuspertasten und Editiermarken-Setzgeräte funktionieren, mussten wir außerdem noch 18 Euro in OSCulator versenken – das ist so ein OSC-„Ich mache irgendwas mit Bluetooth und wandle das dann in Steuersignale um“-Programm.

Kaum gestelltes Bild der erwähnten Wiimote nebst eines Mannes mittleren Alters.

 

Dass Jürgen auch noch 45 Euro in Ulysses investiert hat, weil das einfach ein ziemlich bombiges Markdown-Schreibprogramm für OS X ist, wissen die anderen beiden Ach’ler noch gar nicht. Also Pssssssssst! (Anm. Dominik: “I’ve never felt so betrayed in my whole life …”)

58 Euro (Reaper)
0 Euro (Ultraschall)
18 Euro (OSCulator)
45 Euro (Ulysses)
=================
 121 Euro

 

3. Kosten für Grafiken, Intro und so weiter

Während die bisherigen Ausgaben alle irgendwie notwendig und essenziell wichtig waren, um halbwegs anständiges Audio in den Rechner zu bekommen, sind diese Kosten hier eher künstlerischer Natur – und dementsprechend auch beliebig skalierbar. Wohl dem, der die entsprechenden Talente im Freundes- und Bekanntenkreis hat!

Für die Erstellung unseres Logo haben wir exakt 0 Euro hingelegt – aber wir fragen mal lieber nicht so genau nach, was unser Dominik seiner Frau als Gegenleistung Gutes tun musste. Schriften, Grafikausgangsmaterial und Zeug, von dem Nichtgrafiker wenig verstehen, haben jedoch knapp 50 Euro verschlungen.

Spoiler: So hätte das Ach?-Logo auch aussehen können.

 

Unser großartiges Intro haben wir Philipp zu verdanken. Der kennt nämlich einen anderen Philipp, der total gut mit Audio kann. Wir wollen jetzt nicht ins Detail gehen, was Philipps Philipp genau gekostet hat, für vergleichbare Jingles, Intro oder andere Klangteppiche könnt ihr aber bei Nichtphilipps gut und gerne mal 200 bis 400 Euro lassen. Oder ihr findet bei fiverr jemanden, der es euch für ’nen Fünfer macht. Klingt dann halt aber auch, wie wenn ihr in eine Blechdose voller Grillen furzt.

Damit sich das irgendwie halbwegs sinnvoll aufrechnen lässt, veranschlagen wir den Posten „Grafiken, Intro und so weiter“ mal insgesamt mit 300 Euro.

300 Euro (pauschal)
=================
 300 Euro

 

Laufende Kosten

1. Hosting

Unsere Webseite, die Audiodatei, der Feed und den ganze Krempel liegen bei All-Inkl (Ref-Link) – und seit wir da sogar noch eine SSL-Erweiterung dazugeklickt haben, kostet uns das rund 6 Euro pro Monat. Lächerlich. Sollte sich tatsächlich mal irgendwann so etwas ähnliches wie Erfolg bei uns einstellen, werden wir hier vermutlich aber upgraden müssen.

 

2. Weitere Online-Dienste

Zu auphonic muss man eigentlich nicht viel sagen, außer: Damit klingt selbst mittelmäßiges Audio wie aus dem Radio-Studio. Naja, fast zu mindestens. Hier könnt ihr uns übrigens Credits für den Audio-Aufhübsch-Service spendieren und so dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft klingen, als würden wir eben nicht in drei 50-Euro-Headset-Mikros sprechen. Mit den beiden Freistunden, die jeder hier monatlich bekommt, und fünf weiteren für 12 Euro zugekauften Stunden, kommen wir mit unseren Mehrspuraufnahme knapp über zwei Monate. Klingt kompliziert, heißt aber, dass wir hier jeden Monat rund 6 Euro nachwerfen müssen.

 

3. Recherche

Auch hier lässt sich nur schwer eine Hausnummer dranhängen. Jürgen shoppt sich gelegentlich etwas First- und Second-Hand-Lesematerial, um Inspiration und Input für neue Folgen aufzutreiben. Für die ersten beiden Monate von Ach? waren das rund 60 Euro, der Posten wird aber mit an Sicherheit großen Schwankungen unterworfen sein. Aber, was soll’s, veranschlagen wir Recherche einfach mal mit 30 Euro pro Monat. Zufrieden? ZUFRIEDEN?

Monatliche Kosten gesamt:
6 Euro (Hosting)
6 Euro (auphonic)
30 Euro (Druckerschwärze auf toten Bäume)
=================
 42 Euro (Danke für den Fisch)

 

Die Abrechnung

Zählen wir das alles zusammen, kostete uns die erste Folge Ach? 747 Euro (Einmalkosten: 705 Euro – monatliche Kosten 42 Euro). Zukünftige Folgen werden zwar dramatisch viel billiger sein, dennoch kommen bei etwas Anspruch (und wir behaupten mal, dass wir an vielen Ecken und Ende noch sehr sparsam unterwegs waren) schnell ein paar Euros zusammen.

Aber hey, andere Hobbys kosten auch Geld!
(Achtung, Ref-Link-Alarm!)

Jetzt würde uns natürlich auch interessieren: Was kostet euer Podcast?

4 commentaires sur “Was kostet es eigentlich, einen Podcast zu produzieren?

  1. Interessant finde ich, dass ihr eure eigene “Arbeit” gar nicht eingerechnet habt (also die Arbeitsstunden meine ich).
    Ansonsten müsste ich das ganze mal für den #GeekTalk Podcast berechnen. Da kommt sicherlich auch ein bisschen was zusammen. Ich denke, die Summe wird sicherlich knapp drüber liegen.

  2. Hallo Martin,

    danke für deinen Kommentar. Zur Thema Zeit: Nun, neben der immens zeitintensiven Recherche von Jürgen, der Webseitenpflege durch Dominik und dem Audioschnitt und Nachbereitung von mir selbst kommen dann noch das Auf- und Abbauen des Audioequipments (wir werden immer flotter!), Probehören, die nächsten Termine abstimmen, Themensuche, die Bonus-Folgen Vorbereitung …. mit anderen Worten: Eine ganze Menge Holz zusammen.

    Ich glaube wenn wir da anfangen würden die Zeiten zu berechnen, würde uns ganz schwindelig werden. Aber das ganze ist auch einfach eine Herzensangelegenheit und macht auch schlicht und ergreifend Spaß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.